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1. Two Days "FRIEDENSFAHRT" 2018

Prolog

Was macht man, wenn die meisten Radmarathon-Klassiker und die Vereinstouren alle gelaufen sind und die Saison noch nicht vorbei ist? Richtig, man setzt noch einen oben drauf! Aber nur einen weiteren netten Rundkurs raussuchen war dann doch zu einfach. Es kam also nur etwas in Frage, was das bisherige Tourenangebot im Verein nicht hergab. Damit war die Idee einer Etappenfahrt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen geboren.

 

Bereits zu Beginn des Jahres gab es erste Gedanken, wie so eine Zwei-Tages-Tour aussehen könnte. Dass es dann nach Kleinmühlingen ins Friedensfahrtmuseum gehen sollte, stand jedoch erst Mitte Juli fest. Dementsprechend kompliziert gestaltete sich auch die kurzfristige Organisation sowie die Gewinnung von Mitfahrern. Daher mussten wir dann zum Meldeschluss auch feststellen, dass die Two-Days Friedensfahrt auch nur mit zwei Fahrern starten würde.

 

Eine  Absage der Tour kam aber nicht in Frage und so ließen wir das Begleitfahrzeug der Einfachheit halber weg und packten das Nötigste in die Rucksäcke. Da die Höhenmeter auf der Strecke eher übersichtlich sind, fanden wir schnell zum passenden Reisetempo. Das wechselhafte Wetter konnte uns jetzt auch nicht mehr abschrecken.

 

Course de la Paix

Um es vorweg zu nehmen, es war eine besondere Tour! Das lag in diesem Fall weniger an der Landschaft, dem Wetter oder sonstigen Parametern, die einer Ausfahrt üblicherweise den besonderen Reiz verleihen. Vielmehr was es das Thema und das Ziel der Fahrt. Der Name der Tour verriet beides zugleich. Zum einen ging es ja zum Friedensfahrtmuseum “Course de la Paix”, aber zum anderen ging es auch um Gemeinschaft und die Erinnerung an ein Radsportevent von historischer Bedeutung.

 

Wenn man unter dem Motto der “Tour de France des Ostens” nach Kleinmühlingen ins Museum fährt, hat man zumindest schon davon gehört wie bekannt das Rennen einmal war. Als Zeichen der Versöhnung und der Freundschaft wurde die Friedensfahrt jedes Jahr ausgetragen und zog tausende Radsportfans an die Strecke. Namen wie Täve Schur, Uwe Ampler und Olaf Ludwig sind bis heute vielen ein Begriff.

 

Mehr als ein Symbol

Allerdings ist die Friedensfahrt weit mehr als ein Fragment der Sportgeschichte. Sicher, sie findet nicht mehr statt und ihre Stars sind längst keine aktiven Fahrer mehr. Aber die Botschaft ist heute aktueller denn je. Man muss für den Frieden einstehen und auch kämpfen, und zwar nicht nur im Wettkampf gegen Konkurrenten sondern auch mal gegen sich selbst und die eigene Bequemlichkeit.

 

In diesem Sinne sind wir dann bei Querfurt erstmal in eine Tankstelle eingekehrt und haben gewartet, bis der Regen durch war. Das zeugte jetzt zwar nicht sonderlich von körperlicher Härte, aber von Vernunft angesichts unserer mäßigen Jahreskilometerleistung. Nach dem Schauer ging es ja auch gleich weiter und nahezu ohne Pause nach Kleinmühlingen. Belohnt mit etwas Sonne kämpften wir uns durch das schöne Saaletal bis nach Bernburg. Die Gegend ist zwar nicht sonderlich durch Anstiege gekennzeichnet, aber nach den gefühlt hundert Hügeln spürt man die ca. 175 km zwischen Erfurt und Kleinmühlingen doch in den Beinen.

 

Mit nahezu leeren Trinkflaschen und Rucksäcken waren die letzten Kilometer gut zu fahren. Es wurde auch Zeit, ans Ziel zu kommen, denn wir waren auf Grund unseres moderaten Tempos nicht gerade im Plan. Also gings auf der flachen Zieleinfahrt nochmal etwas dagegen, bis wir endlich vor dem Museum standen und vom Museumsleiter Horst Schäfer begrüßt wurden.

 

Ein eigener Kosmos

Schon der Empfang mit der Friedensfahrt-Fanfare deutete an, dass man nicht irgendwo ist. Kleinmühlingen mag zwar ab vom Schuss liegen, aber wenn man Radsportbegeisterung erleben will, muss man dort gewesen sein. Dass Radsportler dort auch immer willkommen sind, haben wir gleich nach der Ankunft erlebt.Wir wurden zu Kaffee und Kuchen einer Geburtstagsfeier eingeladen, als ob es selbstverständlich wäre.

 

Glücklicherweise hatten wir mit der Radlerschokolade von Goldhelm ein passendes kleines Mitbringsel, um bei so viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft kein allzu schlechtes Gewissen zu bekommen. Am Kuchenbuffet wäre jedenfalls keiner vorbeigekommen. Selbstgemachter Kuchen ist einfach das Beste nach einer langen Tour.

 

Es sind viele kleine Dinge, die das Museum zu etwas besonderem machen. Man kann gar nicht alle Raritäten aufzählen, die dort zusammenkommen. Zu meinen persönlichen Favoriten gehören jedoch die beiden TEXTIMA-Räder. Diese Spezialanfertigungen waren für den Leistungssport konzipiert und sind in jeder Hinsicht einzigartig. Die einzig sinnvolle Ergänzung, die mir für das Museum eventuell noch einfallen würde, ist eine Souvenir-Ecke.

 

Wiederholung festigt

Bei soviel Radsport kommt man natürlich schnell ins Gespräch. Ob nun technische Fachsimpelei oder Meinungsaustausch, der Sport verbindet und lässt einen auch schnell die Zeit vergessen. Fast bis Mitternacht saßen wir im Museum mit Horst Schäfer, der viele spannende Anekdoten aus der Geschichte der Friedensfahrt preis gab. Irgendwann kam dann aber die Müdigkeit durch und wir liefen zur Unterkunft.

 

Dabei handelt es sich um die Sporthalle des Kunstradsport-Vereins von Kleinmühlingen, in dem es einige Mehrbettzimmer gibt, die es locker mit jeder Jugendherberge aufnehmen können. Nach unserer langen Tour konnten wir uns hier bestens erholen. Sogar für das Frühstück war am nächsten Morgen gesorgt, sodass wir nach dem Abschied im Museum gestärkt die Rückfahrt antreten konnten.

 

Mit vielen Eindrücken, Sonne und einigem Gegenwind fuhren wir wieder zurück nach Erfurt. Über die gesamte Distanz habe ich darüber nachgedacht, wie man diese Tour bekannter machen kann. Es ist einfach ein Erlebnis, nach Kleinmühlingen mit dem Rad zu fahren. Vor allem, weil es so verblüffend ist, wie sehr man dort die große Begeisterung für die Friedensfahrt spürt.

 

Für die zweiten Two Days wird es auf jeden Fall rechtzeitig die nötigen Infos geben, damit dann eine große Gruppe zusammen kommt. Wer weiß, vielleicht treffen wir dann ja auch einen Friedensfahrer bei der Ankunft im Museum.

 

Euer Fabian

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Two Days "FRIEDENSFAHRT"

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Steckbrief

Two Days Friedensfahrt
25.08. bis 26.08.2018
Erfurt - Kleinmühlingen - Erfurt

2-Tages-Tour über 340 km

2 Teilnehmer

Zum Radsportmuseum „Course de la Paix“

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