Navigation

undefined

Tagebucheintrag eines Nachwuchssportlers

Der Tag der Tage war nun gekommen. Mein erster offizieller Radmarathon. In Vorbereitung darauf habe ich etliche Ausfahrten mit den vielen Stravafreunden in und um Erfurt erlebt. Das Scheitern im Spreewald war Antrieb genug, um noch härter zu trainieren und die Gewichtsverteilung Rad und „Reiter" zu optimieren.
Aber nun mal Butter bei die Fische.

Am Vorabend der RTF habe ich noch einen langen und erholsamen, obwohl aufregenden, Abendspaziergang absolviert. Die bekannte Unruhe war schon wieder gut zu spüren. Kurz nach 23 Uhr doch eingeschlafen. Wecker war auf 05:15 gestellt, Sachen hingen da und das Trikot war wieder eingeräumt. Diesmal war es ja kein begehbarer Kleiderschrank. Mitten in der Nacht ein Schreck. Wo ist die Luftpumpe?????? Kurzer Check, ja sie war da - Ufff...., Nacht war aber nun vorbei. Und es war erst 4 Uhr. Dann ging es wie immer schnell. Bad, Frühstück, Anziehen und Rad fertigmachen. Luft aufpumpen, Flaschen rein und ab die Post.

Wetter war bedeckt und das Garmin zeigte mir 17 Grad an. Warum nicht, dachte ich mir. Wetterbericht hat ja was anderes gesagt, jedoch war es im letzten Jahr das Gleiche. Ab in Richtung Stadion. Aus allen Richtungen kamen sie angerollt. Bekannte Gesichter der gesamten Stravagemeinde. In den Augen war das Funkeln zu sehen. Und schon aus der Ferne leuchteten die Vereinsfarben. Ein großes Hallo. Vereinskamerad Peter, der wohl beste Video- und Fotokünstler im Umkreis, hat uns trotz seiner Sturzverletzung die Ehre gegeben. Und dann war sie auch wieder da. Die Nervosität. Startnummer mit etwas zitterigen Händen dran. Ein letztes Gruppenbild und dabei nochmal alles geprüft. Und dann kamen die wohl entscheidenden Worte vom Teamkapitän: "Du fährst heute aber mit uns, damit du endlich das auch mal schaffst". Peng, das saß. 3,2,1 und los. Das Feld rollte los. Auf der rechten Seite sah ich noch eine GoPro und dachte mir, na ja, vielleicht biste mit drauf, so frisch kommste hier nicht wieder an. Kopfsteinpflaster am Anfang, was ich ja nicht so mag, und dann hoch Richtung Steiger. Und plötzlich spürte ich es. Alles war gut eingespielt. Die Großen zogen mit einem mörderischen Tempo ab. Na ja, warum nicht. Ich weiß ja, was ich kann und was nicht. Der Chef war 2 Radlängen vor mir. Tempo war gut, nur war es noch etwas nervös. Da dachte ich mir, der Falk sagt immer, fahr vorne, da passiert nichts. Also links anzeigen und raus. Das Zugpferd Thomas überholt und angezeigt, komm jetzt tauschen wir mal die Rollen.

Nach 10 Kilometern traute ich meinen Augen kaum. 2mal die Farben des Vereins in der Ferne. Das Tempo war gut und hoch, die Nervosität war weg. Carsten und Falk kamen immer näher. Und dann war der Zeitpunkt da. Die Führung bis kurz vor VP1 hatte nur eine Farbe. Peter zeigte sich noch kurz, um Film und Videoaufnahmen zu machen.
Plötzlich lag auf der Straße ein Handtuch und von hinten kam ein: "Wenn das Tempo weiter so hoch ist, werfe ich meins auch bald", und das vom Chef. Ein kurzer Blick auf das Garmin: Hilfe !!!!!31er Durchschnitt. Mahnende Worte von Thomas und das Angebot, sich bei Kilometer 130 nochmal darüber zu unterhalten. Kilometer flogen ins Land und auch wechselnde Führungsarbeit. Ach ja, VP1 habe ich nie gesehen. Strecke war mir bekannt. Konnte es mir gut einteilen. VP2 in Sicht und ich wechselte mal Thomas in der Führung ab. Und plötzlich von Hinten das Rufen:"Was willst du am Verpflegungspunkt?". Ups, na das geht ja gut weiter. Schnell Flasche voll und weiter.

Ein kleiner Teil der Gruppe wartete an der Kuppe. Mein Hirn sagte, so langsam mal was futtern, sonst gehst du am Stock. Riegel suchen im Rücken und auffummeln und plötzlich war da ein Loch von 30 Metern. Und das Loch wurde immer größer. Gegenwind und allein ist nicht fein. Dann halt solo weiter. Alle Schilder gefunden und dann kam der Dirk von hinten. Hat doch wohl bei seinem wahnsinnigen Tempo das eine Schild übersehen. Und wieder allein weiter.

VP3 in Sicht und da stand er plötzlich. Der Schleifer, Antreiber, gnadenlose, bei Abfahrten sagende „tritt nur weiter, nicht ausruhen" Mann mit dem Namen Thomas. An seiner Linken und immer im Wind fahrender Edelhelfer Dirk. Wasser, Cola und 2 Kuchen in den Mund stopfen und weiter. Die Landschaften flogen nur links und rechts vorbei und nur, weil der 3. Mann in der Runde rechts brüllte, haben wir uns den Umweg erspart. Kurve links und rechts, nettes Schild zeigt eine 14% an. Na super, wieder aus dem Tritt. Leuchtenburg in Sicht. Juhu, den Heimweg kenne ich. Ab nach Kahla. Dort dann wieder bekannte Gesichter. 150 km-Mann Paul und Michael.

Zwischendurch zeigten sich bei mir schon leichte Ermüdungen. So, und dann kam Kilometer 130. Kurze Ansage von mir. Und Thomas gezeigt, was noch drin ist. Im Nachhinein völliger Käse. Und dann knallte die Sonne richtig rein. Kopf fing an zu kochen. Wasser in den Flaschen erreichte die Wohlfühltemperatur nicht mehr, ich musste wieder abreißen lassen.
VP4 und ne klare Ansage "Wehe, du lässt abreißen". Vorher kam schon immer der Kontrollruf. Wir zogen weiter durch. Und der Zeiger näherte sich immer mehr dem roten Bereich. Doch der Schroe zieht nochmal alles raus. Riegel rein und Fresse halten. Jetzt war es die 3er Bande Thomas, Michael und ich. Rittersdorf kam, noch ein letzter, so bekannter Spruch von mir und Eigenmotivation.
Da kam mir der Spruch von meinem Schützling Kathi in den Sinn. „Ich kann alles schaffen, was ich will, mich schafft keiner.". Sie meisterte heute die 116 km ohne Klickpedale. Berg hoch, runter, Gerade, Rückenwind, Seitenwind alles dabei.

VP5, ich komme. Cola Cola Cola. Und weiter. Jetzt ging das Zeitfahren los. Cola zeigte Wirkung. Tempo gut hoch und der fast immer Letzte zeigte sich vorne und zog. Erfurt in Sicht. Die kleinen Wellen trotz Schmerzen und plötzlichem Fluchen weggebügelt. Und dann kam die wohl geilste Abfahrt für mich auf der ganzen Strecke. Heimmmmmm.

Michael bog noch vorher ab, und ich habe ganz vergessen, Danke zu sagen. Der Express zog und zog. Linke Spur und Gas. Bitte recht freundlich, meinten noch die Verkehrsüberwacher. Leider nur mit Laser. Das Foto hätte ich auch gern genommen. Die Ampeln zeigten Gnade, Kopfsteinpflaster, und da war es endlich: Das ZIEL. Trikot zu wegen Zielfoto und mit dem Chef gemeinsam rein. Alles war irgendwie weit weg. Vater links und topdev rechts. Runterkommen erst mal. Und dann war es geschafft. Sturz- und pannenfrei Ziel erreicht. Schützling Kathi und Yvi waren schon im Ziel. Ich war so glücklich! Endlich mit Urkunde über die Marathondistanz.

Ich danke allen Beteiligten und Unterstützern für dieses tolle Erlebnis.

Euer Schroe

-

Steckbrief

Erfurt RTF des sc impuls e.V.
Erfurt, Deutschland
09.08.2015
7 Teilnehmer über 205 km
9 Teilnehmer über 115 km
Zur Veranstaltung

Bilder

Bilder