Navigation

-

IRONMAN 70.3

"Laut Fahrplan wollte ich die 1,9 km inklusive der Transitzeit in 0:55 h schwimmen. Nachdem ich dann aber schon nach 0:52 h auf dem Rad saß, gingen sie mit mir durch. Der Plan war, die Radstrecke von 90 km in 03:20 h Stunden zu fahren, in einem Testosteron-Rausch habe ich jedoch kurzerhand auf 03:10 h umgeplant, um mit einem guten Lauf die 6 Stunden zu knacken. Das sollte sich rächen. Bei Kilometer 30 und 60 sah auch alles noch gut aus.
Dann gab´s eine 4-Minuten-Zeitstrafe wegen zu dichten Auffahrens auf den Vordermann. Spätestens hier wäre der Zeitpunkt gewesen, einen Gang zurück zu schalten und sich wieder auf den alten Plan zu konzentrieren. Aber nein, was habe ich gemacht? Noch mehr reingetreten, um die Zeitstrafe wieder aufzuholen (völlig irre, bei der Strecke). Die Strafe kam dann bereits bei Kilometer 85 beim letzten Anstieg. Den wollte ich noch schnell auf dem großen Blatt hochfahren, aber in der Mitte hat mich ein erster Krampf im linken Oberschenkel erwischt. Spätestens da war mir klar, dass ich überzogen hatte. Schließlich galt es ja auch noch, einen Halbmarathon zu laufen.
Die ersten 5 Kilometer beim Laufen gingen dann noch, aber ich habe schon gemerkt, dass es schwer werden wird. In der 2. Runde bin ich dann völlig abgekackt. Krämpfe in beiden Beinen, Seitenstechen, das volle Programm. Ab da ging es nur noch darum, wenigstens zu finishen. Das habe ich in 06:37:25 Stunden dann auch getan, das Laufergebnis ist nicht erwähnenswert.
Positives gibt es aber auch: Meine Transitzeiten haben sich eklatant verbessert, auf der Radstrecke bin ich einen 27er-Schnitt gefahren (bester Schnitt im Training 25) und im Gesamtklassement habe ich mich sogar um 78 Plätze gegenüber dem Vorjahr verbessert. Wenn ich die blöde Zeitstrafe nicht kassiert hätte, wäre ich beim Radfahren sogar in einer Gesamtposition unter 1000 gewesen.
Eigentlich wollte ich im nächsten Jahr nicht in Wiesbaden starten, aber das geht nach diesem Frust natürlich nicht mehr.

Ich habe mir schon überlegt, wie ein Politiker zu agieren und den versauten Wettkampf schön zu färben: "Verbesserung um sagenhafte 78 Plätze im Gesamtklassement, Reduzierung der Radzeit um großartige 15 Minuten bei deutlich anspruchsvollerem Streckenprofil und Pulverisierung der Transitzeiten um unglaubliche 50 Prozent."
Wenn ich mir das jeden Tag 10 Mal aufsage und den nicht erwähnten Rest vergesse, wird sich meine Stimmung bestimmt irgendwann wieder heben.

So, und jetzt gehe ich erst mal wieder meine Wunden lecken und danach mein Rad putzen."


Wir gratulieren dennoch, ein Finisher ist ein Finisher!